Geschichte der Türkei

Seit 2000 v. Chr. wurde Anatolien, der östliche Teil und das Herz der heutigen Türkei, von Gruppen von „Jägern und Sammlern“ durchstreift.

In der Bronzezeit, 2500–1700 v. Chr., trieben die Hatti, ein einheimisches Volk, Handel mit den Assyrern. Indoeuropäische Völker vermischten sich mit der örtlichen Bevölkerung und schufen Königreiche, dann ein hethitisches Reich, das 1350–1322 v. Chr. seinen Höhepunkt erreichte, auf Augenhöhe mit Ägypten verhandelte und sich danach in kleine Königreiche auflöste.

In derselben Zeit ließen sich griechische Siedler an der Ägäisküste nieder. Um 800 v. Chr. schufen die Phryger einen mächtigen Staat mit Gordion (nahe Ankara) als Hauptstadt. Einer ihrer Könige, Midas (715–676 v. Chr.), hatte der Legende nach die Macht, alles, was er berührte, in Gold zu verwandeln.
Der Reichtum von Krösus (561–542 v. Chr.), König von Lydien, ist sprichwörtlich geblieben. Zu dieser Zeit wurde Anatolien zu Persien, und die Aufstände der griechischen Städte Ioniens waren die Ursache der Perserkriege, die Athen und Sparta dem Achämenidenreich entgegensetzten.

334 v. Chr. eroberte Alexander der Große Kleinasien und dehnte seine Eroberungen bis zum Indus und nach Ägypten aus. Bei seinem Tod 323 stritten seine Feldherren um sein Reich, und die Dynastie der Seleukiden herrschte über Kleinasien bis zur römischen Besetzung. Dank der „Pax Romana“ erlebte diese Provinz Kleinasien einen Wohlstand ohne Gleichen.

285–286 n. Chr. teilte Kaiser Diokletian das zu groß gewordene Reich in zwei Einheiten: das Weströmische Reich und das Oströmische Reich.

305 n. Chr. besiegte Konstantin (272–337) seine Gegner und einte das Reich teilweise wieder, schuf aber seine neue Hauptstadt, Nova Roma, an der Stelle einer alten griechischen Kolonie, Byzanz. Diese Stadt wurde rasch Konstantinopel genannt, das heißt die Stadt Konstantins. Er begünstigte, ohne die Anhänger der anderen Religionen zu verfolgen, das Christentum, und diese Kirche des Ostens trennte sich 1054 von Rom und wurde so zur orthodoxen Kirche. 476 wurde der letzte Kaiser des Westens, Romulus Augustus, von Odoaker abgesetzt, und die Kaiser des Ostens betrachteten sich daraufhin als die alleinigen Inhaber des Kaisertitels und versuchten vergeblich, das Reich wiederherzustellen.

610 nahm Herakleios (575–641) den Titel Basileus an, das heißt König auf Altgriechisch, und die Historiker des 19. Jahrhunderts sprachen daraufhin vom Byzantinischen Reich. Dieses Reich jedoch, mit der Zeit untergraben durch dynastische Kämpfe, unaufhörliche theologische Streitigkeiten, die Korruption der Elite, die Raffgier Venedigs, das einen Konkurrenten beseitigen wollte, und die Angriffe der Türken, verschwand endgültig mit der Einnahme Konstantinopels 1453. Das Aufkommen des Osmanischen Reiches hatte aber, lange vor diesem Ereignis, mit der Eroberung des Balkans und Anatoliens begonnen.

Konstantinopel wurde nach seiner Eroberung durch Mehmed den Eroberer unter dem Namen Istanbul die Hauptstadt des Osmanischen Reiches, das unter Selim dem Gestrengen (1470–1520) und Süleyman dem Prächtigen (1494–1566) seinen Höhepunkt erreichte.

Doch dasselbe Schicksal wie Byzanz erwartete das Osmanische Reich. Da die Nachfolge nicht nach dem Erstgeburtsrecht erfolgte, führte Sultan Mehmed II. (1432–1481), um Bürgerkriege zu vermeiden, das Gesetz des Brudermords ein, später ersetzt durch die lebenslange Einsperrung der Brüder des neuen Sultans in Gemächern, „der goldene Käfig“. Dies verhinderte jedoch nicht die Intrigen des Serails und die Thronbesteigung unfähiger Sultane, die die Macht meist der Sultansmutter überließen.

Trotz der Kompetenz der Großwesire und der Hohen Verwaltung, die sämtlich aus Christen gebildet waren, die ihrer Familie entrissen und islamisiert wurden (System des Devşirme), stießen die nötigen Reformen auf das Gewicht der Tradition, der zivilen wie der religiösen.
Das Korps der Janitscharen, einst Elite der osmanischen Armee, erstarrte und machte und entmachte am Ende die Sultane, bis zu ihrer Vernichtung am 16. Juni 1826 auf Befehl von Sultan Mahmud II. (1785–1839).

Da sich die Handelswege vom Mittelmeer abgewandt hatten und europäische sowie maghrebinische Provinzen verloren gegangen waren, entgingen dem Staat wichtige Einnahmen. Diese Lage zwang die Türkei, bei europäischen Banken zu borgen, die im Gegenzug Konzessionen erhielten, aus denen sie beträchtliche Einkünfte zogen. Nach einem Wort von Zar Nikolaus I. war die Türkei „der kranke Mann Europas“ geworden.

Abdülhamid II. (1842–1918) setzte, kaum 1876 an die Macht gelangt, die neue liberale Verfassung aus. Er unterdrückte brutal die Aufstände der letzten europäischen Provinzen und ließ, was ihm den Beinamen Roter Sultan eintrug, 1895 mehr als 200 000 Armenier massakrieren. 1908 wurde er von der politischen Partei der „Jungtürken“ abgesetzt, und Mehmed V. (1844–1918) folgte ihm, jedoch ohne jede reale politische Macht. Unter der Regierung der Jungtürken ereignete sich 1909 ein neuer Genozid an Armeniern sowie die italienisch-osmanischen Kriege (1911–1912) und die Balkankriege (1912), die in einer Katastrophe endeten.

1913 erhielt Talaat Pascha (1874–1921) die volle Macht und trat aus Furcht vor Russland im Ersten Weltkrieg an der Seite Deutschlands ein. Zwischen 1915 und 1916 führte diese ultranationalistische Regierung nicht nur den Genozid an den Armeniern durch, sondern auch den an aramäischen und griechischen Bevölkerungsgruppen.

Trotz unbestreitbarer Erfolge im Kaukasus und an den Dardanellen musste die Türkei am 30. Oktober 1918 den Waffenstillstand von Mudros unterzeichnen. Der Vertrag von Sèvres vom 10. August 1920, unterzeichnet von Mehmed VI. (1861–1926), zerstückelte das Reich und trat sogar die türkische Ägäisküste an Griechenland ab. General Mustafa Kemal, Held der Dardanellen, sammelte alle nationalistischen Kräfte und besiegte zwischen 1916 und 1921 die Franzosen, die Italiener und die Briten, die, dieses Konflikts müde, sich zurückzogen und die griechischen und türkischen Armeen allein einander gegenüberließen. 1922 besiegte eine von der Sowjetunion modernisierte und ausgerüstete türkische Armee die griechischen Armeen und zog in Smyrna ein, das heutige Izmir. Die Konvention von Mudanya, unterzeichnet am 11. Oktober 1922, beendete den Konflikt, bestätigte aber auch einen umfangreichen Bevölkerungstransfer.

1923 wurde Mustafa Kemal nach der Absetzung des letzten Sultans, Mehmed VI. (1861–1926), der erste Präsident der neuen türkischen Republik und machte Ankara zur neuen Hauptstadt. Nach der Gründung einer Einheitspartei – der Republikanischen Volkspartei –, die jede Opposition niedergeworfen hatte, lenkte er das Land mit eiserner Hand und trieb es im Eiltempo zur Modernität. Das Kalifat wurde 1924 abgeschafft, ebenso die Sufi-Bruderschaften und die religiöse Kleidung. Der Ersatz des arabischen Alphabets durch das lateinische Alphabet 1928 ermöglichte auch die Vereinfachung der Rechtschreibung. 1924 wurde den Frauen das Wahlrecht gewährt, die Polygamie verboten und die Scharia abgeschafft. Handel, Landwirtschaft und Industrie wurden gefördert und modernisiert.

Mustafa Kemal, der zu Kemal Atatürk geworden war, das heißt zum Vater aller Türken, und der sich nie um seine Gesundheit gekümmert und von all diesen Arbeiten erschöpft war, starb am 10. November 1938.

Während des Zweiten Weltkriegs trat die Türkei erst zwei Monate vor der Kapitulation Deutschlands auf die Seite der Alliierten. Neue politische Parteien wurden zugelassen, doch die Armee, beunruhigt über die Rückkehr der religiösen Kräfte und Garantin des „Kemalismus“, übernahm die Macht 1960, 1971, 1980 und 1997.

Seit 2002 leitet die AKP-Partei von Tayyip Erdoğan das Land.

Saal antiker Statuen im Archäologischen Museum Antalya